Artikel-Schlagworte: „historische Archäologie“

Hademunda-Projekt

Hademunda von Ebersberg

Der Versuch einer historischen Rekonstruktion nach 1000 Jahren

München, 21.10.2017 von Andrea Schütze

Heute ein Beitrag in eigener Sache:

Hademunda-Projekt von Andrea Schütze

Hademunda von Ebersberg – Ein Projekt von Andrea Schütze aus München

Kennen Sie das? Man begegnet einer Angelegenheit und im Zeitpunkt der Begegnung bemerkt man noch gar nicht die Folgenhaftigkeit, aber irgendwie kommt man davon nicht mehr los.

So in etwa ergeht es mir mit Hademunda von Ebersberg.
Begegnet bin ich Hademunda im Rahmen meiner Heiligenbeschreibungen, die ich hier auf diesem Blog veröffentlicht hatte und im Zuge derer ich immer mehr zu lokalen Heiligen vorgedrungen war. Ich war damals selbst in einer Zeit tiefer Trauer und Lebenszäsur, weil mein Vater, zu dem ich eine sehr gute Beziehung habe, nach langer und schwerer Krankheit verstorben war, und mich faszinierte diese winzige Geschichte, die ich bei Otto Wimmer in seinem Heiligenlexikon auf zwei oder drei Zeilen zusammengefasst zu lesen bekam:

Eine Frau heiratet, bekommt Kinder, der Mann stirbt, sie macht einen totalen Schnitt, gibt alles weg, lässt alles zurück, lässt ihr ganzes Leben zurück und „macht ihr Ding“ und geht nach Palästina –  und dies als Frau allein zur Zeit der Kreuzzüge. Das wäre so als würde man heute als Frau allein nach Syrien ins Krisengebiet reisen. Das ist nicht unmöglich, aber immer ein Akt von „Hut ab“! Dazu braucht es Courage, um dahin zu gehen, wovor andere fliehen.

Diese Zäsur und die sich daraus ergebende Konsequenz, nicht einfach so weiter zu machen, sondern einen Schnitt zu ziehen und was ganze Neues anzufangen, das hatte mich fasziniert und ich finde das auch bis heute bemerkenswert.

Aber es blieb nicht dabei, denn als ich dann irgendwann anfing doch einmal etwas mehr nach dieser Frau Ausschau zu halten, genauer gesagt war das in einer Arbeitspause in der Bibliothek der Deutschen Rechtsgeschichte an einem Wochenende im Frühsommer 2015, da fand ich beim Herumstöbern in alten Büchern immer mehr über sie heraus, was eigentlich ganz interessant war, dass sie und ihre Familie in einer hochspannenden Zeit lebten und dann habe ich jetzt in diesem Frühjahr die wohl folgenreichste Entscheidung gefasst…

Ich war vom Lernen total gestresst, weil der Stoff gigantisch war und ist, ich dafür aber minimalste Lernzeit hatte und nur einen Versuch frei und da gab ich das Versprechen, dass ich – für den Fall, dass es mir bei der Prüfung zur Rechtshistorikerin gut ergehen würde – mich danach an die Arbeit machen würde und ihre Geschichte aufrollen werde.

Es kommt im Leben oft so, dass man im Leben nicht immer alles sofort umsetzen kann, aber ich bin jemand, der sein gegebenes Wort hält und schätze das auch an anderen Menschen sehr und habe daher angefangen mich damit zu beschäftigen – auch wenn es nicht sofort war und wenn es nicht in dieser Konzentriertheit geschehen kann, die ich gerne entfalten würde, weil ich ja noch für ein Examen zu lernen habe.

Zuerst habe ich die Homepage, die durch Hacking-Attacken verwüstet war, wiederhergestellt und sie bis jetzt einigermaßen wieder ins Laufen gebracht und dabei auch die Projektseite zum Hademunda-Projekt aufgebaut. Nebenbei arbeite ich an den Wochenenden an dieser Sache.

Zuerst war ich doch sehr im Zweifel und dachte mir auch, ich würde damit meine Ernsthaftigkeit als Historikerin total vernichten, weil ich hier auf quasi kaum existente Quellenlagen eine Arbeit aufzubauen gedenke, aber dafür bin ich Althistorikerin und Archäologin, dass ich gelernt habe auch mit so winzigen Fragmenten noch etwas anfangen zu können.

Denn ich denke mir so: Es ist Nichts einfach nur abzuschreiben, weshalb ich hier auch nie Texte einfach nur reinkopiere oder abpinsele. Es ist auch keine Kunst Geschichte nur wiederzuerzählen, also eine reine Nacherzählung der Geschichte zu veranstalten. Die Kunst und Fähigkeit des Historikers liegt vielmehr darin auch mit winzigen Fragmenten noch arbeiten zu können und daraus das Möglichste zu rekonstruieren- und genau das ist der Ansatz, eine Art historische Archäologie zu betreiben und daher heißt der Untertitel zu diesem Forschungsprojekt: Der Versuch einer historischen Rekonstruktion nach 1000 Jahren.

Es geht gar nicht darum Hademunda in allen Facetten wiederzugeben, weil das ist dem Romancier überlassen und es ist keine Nacherzählung, die an dem Wenigen schon scheitert, weshalb es so recht wenig über sie gibt, sondern es ist die historische und wissenschaftlich mögliche Rekonstruktion dieser spannenden Frau, die immerhin so spannend war, dass sie über Jahrhunderte – trotz fehlenden Kultes und trotz fehlender Heiligenvita – immer noch in Heiligen-Darstellungen präsent war und die ihr Umfeld so beeinflusst haben soll, dass ihr Bruder alles aufzugeben gedachte, was ziemlich viel an Macht und Reichtum gewesen war, um ihr nach Palästina nachzufolgen.

Und irgendwie wirkt diese Frau sogar noch nach 1000 Jahren und da mich dieses Thema so verfolgt, denke ich, es muss irgendwie sein und muss unternommen werden – vielleicht ist es auch eine Art Bestimmung, oder von ihr so gewollt oder wie auch immer. Es steckt jedenfalls eine starke Kraft dahinter, die mich schiebt, das zu tun.

Am Ende dieses Projekts soll ein kleines Büchlein stehen, bis dahin werden hier und auf der Homepage immer wieder kleine Hinweise auf Materialien oder Ideen usw. erfolgen. Da hier auch Leute lesen, die sich für die durchaus spannende Welt der Heiligen interessieren, sehe ich mich darin auch bestärkt, das so zu tun, weil ich hier auf interessierte Leser hoffe.

Über Ihr Interesse würde ich mich sehr freuen.

Hier der Link zum Projekt:

http://lupa-romana.de/Projekte/Projekte-Hademunda_von_Ebersberg.html