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Programmhinweis Die Akte Nero ORF

Die Akte Nero im ORF

Ein kurzer Programmhinweis

Nero beim Brand von Rom

Die durch Peter Ustinov unsterblich gewordenen Szene von der Gesangseinlage Neros beim Brand von Rom. Hier die Darstellung aus der Sendung: Die Akte Nero. Quelle: ORF

Heute findet um 22:35 Uhr im Rahmen der Sendereihe „Universum History“ die Sendung „Die Akte Nero“ statt. Laut Vorschau sollen darin die Aussagen der Historiker Sueton, Tacitus und Cassius Dio hinsichtlich ihrer Anschuldigungen von Mord und Brand auf den wissenschaftlichen Prüfstand gestellt werden. Dabei sollen auch Forensik und Kriminalistik zum Einsatz kommen.

Wen´s interessiert…

Noch ein Hinweis: Außerhalb Österreichs kann man die Mediathek des ORF nicht einsehen, so dass diese Sendung im Nachfeld nicht noch einmal abgerufen werden kann. Auch ist sonst ein „Download“ nicht möglich, weil die Sendung viele kleine Flash-Filmchen gesplittet ist, die zudem nicht in korrekter Reihenfolge aufgereiht sind, so dass – um das jetzt abzukürzen – ein erfolgreicher Download nicht möglich ist.

17.11.2017
ORF 2
Universum History – Die Akte Nero.

Hier noch ein Link zur Sendungsbeschreibung beim ORF

http://tv.orf.at/program/orf2/20171117/798970601/story

Der Kunstmarkt im Wahn

Der Kunstmarkt im Wahn

Leonardos Salavtor Mundi sprengt alle Rekorde

München,16.11.2017 von Andrea Schütze

Eine Auktion bringt es mit sich, dass jeder so viel zu bieten vermag, wie ihm das Objekt seiner Begierde wert ist. Doch kann man solche finanziellen Materialschlachten wirklich noch gutheißen?

Der Wahnsinn hat einen neuen Namen: Leonardo


Leonardo da Vinci, Salvator Mundi

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, um 1500.
Quelle: Christies.

Auf der Auktionsseite von Christies steht über den Erlöser der Welt zu lesen:
Leonardo da Vinci (1452-1519)
Salvator Mundi
Öl auf Holz
65.7 x 45.7 cm
Gemalt circa 1500.

Das sind die Eckdaten von Kunst und die Essenz von Kunst – wissenschaftlich und nüchtern eingedampft auf seine realen Bestandteile. Ein Stück Holz von knapp einem halben Meter, bemalt vor 500 Jahren mit Pigmenten, Öl und sonstigen fragwürdigen Mischungsexperimenten zu denen der Maler namens Leonardo geneigt hatte.
Dargestellt ist der Erlöser der Welt.
Punkt.

Das ist die Realität von Leonardos Kunstwerk, das gestern bei Christies versteigert worden war. Alles andere…
ist wirklich auf den Punkt gebracht: Chichi.
Dass Chichi zu einigem Wahnsinn führen kann, das ist mittlerweile keine Frage mehr und man hatte bei Christies sogar schon mit 100.000.000 Dollar gerechnet. Doch die gestrige Auktion hat alle bisherigen Irrwitzigkeiten in den Schatten gestellt, denn dort wurde nicht mehr in lächerlichen einstelligen Millionenbeträgen geboten, sondern man warf die zwei- und dreistelligen Millionen nur noch so in den Raum.

Es war eine Materialschlacht des Geldes.

Und am Ende haben 450.312.500 US-Dollar gesiegt. Und das ist nicht das Ende des Preises, denn es kommen auf jeden Fall noch die Auktionsgebühren von Christies dazu und womöglich weitere Taxen und nicht zu reden von den Transportkosten und den Kosten für weitere Gutachten und den Unterhalt und die Sicherung und… und… und… 450 Millionen US-Dollar haben da noch lange kein Ende gefunden und das für ein altes Stück Holz bemalt von Leonardo, von dem sicher ist – wie es einmal ein Restaurator des Germanischen Nationalmuseums in Frankfurt zum Kampf der Restauratoren gegen die Zeit generell sagte – also von dem sicher ist, dass es irgendwann vollständig abgeblättert und zerbröselt sein wird und das man auch nur in abgedunkelten und besonders gepanzerten Räumen wird daheim betrachten können. – Kein Bild an dem man sich – wie es früher bei seiner Entstehung der Fall war, ob es Leonardo, Raffael, Botticelli und wer auch immer war – kein Bild an dem man sich beim Vorbeigehen erfreuen kann, wo man davor sitzen kann oder man sich damit die Zeit vertreibt. Nein, es wird immer ein abgeschottetes und gegenüber seinen Betrachtern einsames Leben führen.

Dazu wird Kunst aber nicht erschaffen. Kunst und die darin präsentierte Schönheit im Ästhetischen, im Grauen, im Absonderlichen, im Einfallsreichen, im Wasauchimmerschönem, Kunst und seine Schönheit entstanden, um zu gefallen, um bestaunt und betrachtet zu werden, um von möglichst vielen Menschen bewundert zu werden.
Kunstwerke hingegen, die in hochsicherheitsgepanzerten Tresorräumen schlummern und nur von gierigen Augen betrachtet werden, haben ihren Sinn verloren. Denn es ist die Gier, die Menschen dazu antreibt für ihren persönlichen Genuss solche Summen zu bezahlen und im Geheimen ihre Kunst zu genießen oder selbst vor schlimmstem Kunstraub – egal wieviel Blut und Kultur es kosten mag – nicht zurückschrecken lässt. Es ist immer die Gier, nicht der Sinn für Kunst, der solches bewerkstelligt.

Die Orte an denen Kunst ihren Zweck erfüllen könnten, wo Besucher sie sehen, wo Schönheit in die Welt hinausgetragen wird und damit auch die Hoffnung verbunden wird, den Menschen von seiner Rohheit zur Besserung zu führen, diese Orte sind chancenlos für den Erwerb solcher Werke und sie werden es immer mehr im Angesicht der Materialschlachten des Geldes.

Der Name macht die Kunst


Leonardo da Vinci, Salvator Mundi unrestauriert

Leonardo da Vincis Salvator Mundi in seinem Zustand um 1904 bevor man entdeckt hatte, dass es ein „Leonardo“ war und somit noch für 50 Dollar verkauft worden war.
Quelle: The Art Newspaper.

Dass nicht das Werk, sondern der Name vielfach Kunst zu erschaffen vermag, beweisen nicht nur die Beltracchis und sonstigen entdeckten und nie entdeckten Fälscher dieser Erde, die in ihren Kopien weit höhere Kunstfertigkeit beweisen mussten, als jeder Künstler selbst, weil selbst der Fehler des Künstlers noch in Vollkommenheit erreicht werden muss. Aber nicht nur die belegen die Fragwürdigkeit des Hypes, sondern auch dieses Bild selbst ist ein gutes Beispiel für die Macht eines berühmten Namens.

Denn irgendwann –post-leonardo– hat jemand den wohl mittlerweile schadhaft gewordenen Jesus zu restaurieren versucht und dabei gleich ein neues Bild erschaffen. Es entstand ein Jesus mit Schnurrbart und man fühlt sich hier schon an Marcel Duchamp erinnert, der selbst von der Kunst sagte, sie sei Hochstapelei und Fata Morgana. Er hat das sicher jedem im Gedächtnis stehende Bild der Mona Lisa mit Schnurrbart erschaffen und so sieht es hier fast auch aus.

Aber wer es/sie auch immer war(en). Sie erkannten den Leonardo nicht an seiner Kunst und das obwohl der Pinsler sicher über Malfertigkeiten verfügt hatte, also eine künstlerische Ausbildung genossen haben muss und es sich hier nicht um wilde Schmierereien eines Banausen gehandelt haben kann. Der Leonardo war nicht erkennbar.

Und er war es auch nicht für die nachfolgenden Kunsthändler und Auktionatoren, die das Bild für eine billige Kopie hielten und es für 50 Dollar versteigerten. – Die Erfüllung des Traumes jedes Kunstjägers: Einen Leonardo für 50 Dollar zu ergattern…

Der Wahnsinn brach erst aus, als die jüngere Farbschicht abgenommen und Untersuchungen gezeigt hatten: Die billige Kopie ist ein echter Leonardo da Vinci.
Der Name erzeugte von 50 Dollar ab nun Millionen und steigerte sich gestern zum absoluten und wohl nur vorläufig absoluten Wahnsinn.

Kunstwahn ohne Anstand

Es war eine Materialschlacht des Geldes und ein Kampf der Reichen unter sich, wer sich den Leonardo wird leisten können. Doch im Angesicht des Themas dieses Bildes, des Erlösers der Welt darf gefragt werden, ob sich das noch mit Moral und Anstand verträgt so mit Geld um sich zu werfen.

Die Welt krankt aktuell tatsächlich an allen Orten, ob Kriege, ob Hunger, ob Klimakastastrophen, ob Dürre, ob Krankheiten, ob Fluchten, ob fürchterliche Armut und es kommt kein Ende in Sicht der Erbärmlichkeiten.

Ich möchte hier gar nichts mehr dazu sagen, sondern nur ein paar Relationen aufzeigen, die dann für sich sprechen sollen:

  • Die Stadt München beklagt auf 100 Millionen Euro für die Integration von Flüchtlingen sitzen zu bleiben.
  • Die Bundesregierung schickt weitere 100 Millionen Euro Entwicklungshilfe in den Wiederaufbau der zerstörten Städte im Nordirak, damit Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren können sollen.
  • Das Weltkulturerbe Palmyra, das von den barbarischen Isis-Kämpfern zu vernichten gesucht worden war, kann für mehrere hundert Millionen Euro wiederaufgebaut werden.

Für ein Bild, das für den Käufer in seinem Lebenswandel nur ein Bild war und ist, wurden gestern über 450 Millionen US-Dollar + ein großes X geboten und aufgewendet und womit werden diese Millionen bezahlt und wieviel davon wird an die ausgebeutete und ausblutende Welt davon zurückgezahlt?


Leonardo da Vinci, Salvator Mundi

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, um 1500, Öl auf Holz, Privatbesitz. Letzter Preis über 450.000.000 USD.
Quelle: Wikipedia.

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Der Dodekaeder – Ein Rätsel aus der Römerzeit

Der Dodekaeder

Ein Rätsel aus der Römerzeit

München,12.11.2017 von Andrea Schütze

Wäre es nicht durch die Archäologie an mehreren Orten in England, Deutschland und Frankreich ergraben worden, man könnte es für ein futuristisches Design oder ein modernes Bauelement halten.

 

Römischer Dodekaeder

Römischer Dodekaeder – Ein rätselhaftes Gerät aus der Römerzeit Quelle: Museum Birmingham.

Die übersinnliche Deutung als Magnetfelderzeuger

Es ist daher nicht ganz verwunderlich, dass man den Gegenstand im Internet auch auf Seiten der übersinnlichen Fraktion finden kann, die darin ein Objekt zur Erzeugung eines Magnetfeldes wähnen, welches über fast magische Kräfte verfügen soll.
Selbst auf Youtube finden sich hierzu entsprechende Beiträge.
Doch wie und woraus sollte in dem hohlen Inneren ein magnetisches Kraftfeld erzeugt werden können?
Das Material ist Bronze und damit an sich nicht magnetisch. Von seiner Gestalt her hat es noch nicht einmal eine bündelnde Form, die man im Zusammenhang mit den Pyramiden als Erzeuger von Kraftfeldern immer anführt.
Also es ist somit sehr sicher kein geheimnisvoller Magnet – doch was dann?

Back to the roots – Was wissen wir wirklich?

Das hier gezeigte Objekt ist Teil der archäologischen Sammlung des Museums in Birmingham, aber – wie ich schon geschrieben habe – es gibt weitere Objekte dieser Art, es ist kein Einzelstück. Bei Wikipedia sind einige davon zu sehen.

Wenn man nicht weiterkommt, dann ist es oft ziemlich ratsam zunächst zu den ganz einfachen und meist auch gesicherten Dinge zurückzukehren und davon ausgehend neu zu beginnen.
Sehen wir uns daher zunächst einmal die Form an: Das Objekt ist ein Hohlkörper und besteht nur aus Oberflächen. Als Größe wird eine wohl äußere Höhe von 75 mm angegeben.

Pentagondodekaeder

Ein regelmäßiger Dodekaeder wie im vorliegenden Fall heißt auch Pentagondodekaeder Quelle: Wikipedia.

Bei einem Körper dieser Art handelt sich um einen sogenannten Dodekaeder, einen Zwölfflächler, also ein Objekt mit 12 Oberflächen. Diese sind bei einem Dodekaeder immer in der Form eines Pentagons, eines Fünfecks, gestaltet. Die Eckpunkte können in seinem Inneren zu einem Pentagramm verbunden werden.
An jeder Ecke, bzw an jeder Verbindungsecke, wo die Oberflächenpentagone zusammenstoßen, hat der Dodekaeder jeweils ein kleine Kugel, die wohl aufgelötet worden waren.
Im Zentrum eines jeden Pentagons befindet sich eine kreisrunde Öffnung. Bemerkenswert daran ist, dass eine jede einen anderen Durchmesser aufweist, also kein Kreis dem anderen gleicht.

Pentagondodekaeder

Im Inneren eines Pentagons lässt sich ein Pentagramm einzeichnen Quelle: Wikipedia.

Deutungen auf der Museumsseite

Dodekaederwürfel

Ein Dodekaeder als Würfel Quelle: Wikipedia.

Deutungen gibt es einige:
Auf der Homepage des Museums werden zwei Deutungen vorgeschlagen, nämlich einmal ein Kerzenständer für unterschiedliche Kerzengrößen und dann ein Würfel mit zwölf Seiten, der im Inneren mit Wachs verfüllt gewesen sein soll.

Ehrlich gesagt, kann mich keine dieser Deutungen wirklich überzeugen, denn in der Zeit um 100-300 n. Chr. in die der Dodekaeder datiert wird, hatte man auch noch Öllampen, die weit traditioneller waren. Und weshalb sollte man für so viele Kerzengrößen einen Kerzenleuchter benötigen? Kerzen ließen sich leicht ankleben oder zuschneiden, so dass es dieses Aufwandes nicht bedurft hätte.
Eine Verwendung als Würfel ist grundsätzlich denkbar, und es gibt sogar Würfel dieser Art (siehe Abbildung oben), so das eine Deutung dahingehend überzeugen könnte, wenn die Kugeln an den Ecken nicht wären, die jedes Würfeln massiv behindern würden (Auch bei Wikipedia kommt man aus demselben Grund zum Auschluss der Würfel-Theorie).

Die Verwendung als Bauelement

Eine Verwendung als Bauelement – wie es bei Wikipedia angedacht wird – käme nach modernen Gesichtspunkten in Betracht und erinnert einen auch an die eigene Kindheit und die technischen Baukästen, wo man mittels Lochplatten und entsprechender Elemente, wie etwa mittels Lochwürfel, kreativ hatte Dinge konstruieren können.
Ein Element, das für zwölf verschiedene Stangendurchmesser kompatibel wäre, erscheint somit aus moderner Sicht praktisch, aber macht nicht wirklich Sinn, weil beim Zusammentreffen gleicher Durchmesser wäre der Dodekaeder schon unbrauchbar geworden, da er ja unterschiedliche Lochgrößen aufweist.
Diese Deutung ist zwar praktisch, vermag mich aber dennoch nicht richtig zu überzeugen, wenn man sich die Fundorte ins Bewusstsein ruft: Solche Dodekaeder wurden auch in Gräbern gefunden. Wer lässt sich gern mit Bauelementen begraben? – Gut möglicherweise ein Mathe-Freak oder ein Baumeister oder Handwerker… Aber man fand diese rätselhaften Objekte auch in Frauengräbern und bekam eine Frau des Baumeisters Dodekaeder mit ins Grab? Vielleicht die mit dem Kosenamen Dodekaeder ;0) Ich finde das nicht wirklich überzeugend.

Eigene Überlegungen ohne tatsächliche Lösung dieses Rätsels

Gräber als erster Anhaltspunkt finde ich schon einmal sehr interessant, was wieder einmal zeigt wie wichtig Fundzusammenhänge sein können. Diese waren auf ursprünglich keltischem Siedlungsgebiet und auch Frauengräber weisen in den Grabbeigaben Dodekaeder auf.
Ohne hier eine Lösung bieten zu können oder zu wollen, würde ich daher die Verwendung zur astrologisch-astronomischen Messung, vielleicht auch Zeitmessung vermuten. Wir kommen hier zugleich aber auch in die Welt der Zahlenmystik und des Goldenen Schnitts, aber auch der Naturphilosophie.
Und auch wenn Frauen kein Handwerk ausüben durften und sie nicht so vertreten sind in ihrem historischen und archäologischen Befund: Frauen haben sich auf geistigen Gebieten betätigt und hervorgetan und waren in rituellen und mystischen Handlungen ganz selbstverständlich mitbeteiligt. Insbesondere die germanischen und keltischen Kulturkreise sprachen hier Frauen eine wichtige Rolle zu.
Eine Deutung in diese Richtung wäre daher durchaus frauenkompatibel.

Die Magie von Zahlen und Figuren

Der Dodekaeder in dieser Ausführung mit regelmäßigen Pentagonen wird auch als Platonischer Körper von höchster Symmetrie bezeichnet. Platon hat diese Figuren beschrieben und – mit Ausnahme des Dodekaeders – den vier Elementen zugeordnet.
Pythagoras hatte in der Astronomie das Sphärenmodell entwickelt, wonach alle Himmelskörper in Spären, wie in Schalen existieren, die auch eine sogenannte Sphärenmusik veranstalten, wenn sie sich bewegen.
Aristoteles hat diese Theorie weiter ausgebaut und den Dodekaeder zum Symbol des Äthers als fünftes Element erhoben. Äther meint den ewigen und körperlich nicht fassbaren Bereich hinter der Mondsphäre. Als Mondsphäre hat man im christlichen Weltbild die Sphäre der Engel bezeichnet. Was dahinter liegt, also der Äther, ist jener Bereich, in den die Seelen der Toten vordringen, nachdem sie geläutert worden waren. Der Äther gilt als ewig und allumfassend.
Wir sind damit bereits mitten in der Mystik, Theologie und Astrowissenschaft von Antike und Mittelalter angekommen.

Der Dodekaeder steckt voller geometischer Formen und Figuren.

Der Dodekaeder hat 12 Flächen. Das Jahr hat 12 Monate, die Stämme Israels und die Zahl der Apostel Jesu sind jeweils 12. Auch gibt es 12 Sternzeichen.

Dodekaederwürfel

Mosaik mit der Erde (Tellus) und den Jahreszeiten, Glyptothek München Quelle: Arachne.

 

Im Inneren eines Dodekaeders kann aus seinen Diagonalen ein Würfel eingebaut werden. Auch ein Würfel gilt als vollkommene Form im Sinn des Goldenen Schnitts. Der Würfel symbolisiert in seiner Vollkommenheit die Zahl 4.
Nach obiger Deutungsmöglichkeit umfasst die 12, des Dodekaeder als Äther die vier Elemente der Materie: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Damit umfasst der Dodekaeder als das nicht Fassbare, die konkretisierbare Materie.
Die Vier steht aber auch für die vier Himmelsrichtungen Osten, Westen, Süden und Norden, was schon die Babylonier so sahen, die darin auch die vier Mondphasen erkannten.
In nördlichen Breiten gab es – anders als in den mediteranenen Zonen – auch vier Jahreszeiten, deren Bestimmug für die Landwirtschaft der Menschen wichtig, geradezu überlebenswichtig war.
Nach christlicher Deutung steht die Vier auch für die vier Evangelien des Neuen Testaments: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Die Zahl 12 kommt durch Multiplikation von der 4 mit der 3 zustande.
Für die Astrowissenschaft spielten von den oben aufgezählten Vierergruppen drei Faktoren eine Rolle, nämlich: Der Mond in seinen vier Phasen wie er – je nach Jahreszeit und Monat – durch die zwölf Tierkreiszeichen wandert und damit wichtige Deutungen ermöglicht; die vier Jahreszeiten mit unterschiedlichem Sonnenstand und die vier Himmelsrichtungen in denen – nach den Jahreszeiten unterschieden – die Sternbilder (nicht nur die Sternzeichen) bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang stehen.
Beispielsweise zeigen die Plejaden – je nachdem ob sie bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang erscheinen – an, ob es Zeit zur Saat oder Ernte ist.
Bis heute gilt bei Vollmond im Winter geschlagenes Nadelholz, sogenanntes Mondholz, als exzellentes Holz für den Instrumentenbau oder als besonders feuerfest und witterungsbeständig. Schließlich sei noch auf den bis heute sehr beliebten Mondkalender als Beispiel hingewiesen mit seinen Anweisungen was man je nach Mondstand und Mondphase im jeweiligen Tierkreis zu tun oder lieber zu lassen habe. Das ist altes Brauchtum, das heidnische Wurzeln besitzt.

Die Zahl Drei steht nicht nur in der Bibel und im Christentum, sondern in vielen Kulturen für das Göttliche: Die Dreieinigkeit Gott-Vater, Gott-Sohn und der Heilige Geist bei den Christen. Aber dort auch Gott, Jesus und Maria oder Jesus, Maria und Josef für die Heilige Familie. Aber auch die drei Schöpfungssphären sind eine Dreiheit: Gott schuf die Erde und dann teilte er in der Entstehung von Himmel und Erde die Wasser von den Wassern und nannte das eine Meer, das andere Himmel, also drei Schöpfungssphären, drei Lebensräume. Weitere wurden nicht mehr erschaffen.
Die Drei gilt aber auch in der philosophischen Argumentation als das Ideal aus These, Antithese und Synthese, die Vermeidung von Konflikt und Wiederherstellung von Harmonie durch Vereinigung bzw. harmonischer Verbindung beider antipodischer Elemente.

Das Äußere des Dodekaeders besteht aus verbundenen Pentagonen. Aus den Ecken eines Pentagons kann jeweils ein Pentagramm gebildet werden, das wiederum ein Objekt des Goldenen Schnitts und damit der Vollkommenheit und Harmonie darstellt.
Addiert man 5, 4 und 3, dann erhält man wiederum die Zahl 12.
Auch die Zahl 5 hat eine tiefere Bedeutung: Die Woche hat fünf Gottheiten, die über jeweils einen Tag wachen.
Das Pentagramm war kein böses Symbol, wie es heute in diversen Horrorfilmen verunglimpft wird, sondern das Gegenteil – ein apotropäisches, also unheilabwendendes Symbol gegen das Böse.
Das Pentagramm galt nicht nur als ein Zeichen der Vollkommenheit, sondern nach Ansicht der antiken Philosophen auch als Symbol der Urkräfte: Geist, Liebe, Kampf, Idee und Bewegung, wobei nach christlicher Deutung Gott alle diese Urkräfte in sich vereint wie das Dodekaeder.

Die Zahl Fünf, die man auch im Pentagon erblicken kann, steht einerseits für das Männliche und die Sexualität. Das Pentagramm, das gleichfalls die Fünf symbolisiert, ist hingegen das Symbol der Venus und steht für die weibliche Sexualität, so dass hier in dieser Darstellung eines Dodekaeders Mann und Frau vereint sind, jeweils als Pentagon und Pentagramm.

Das sind jetzt nur ein paar Gedankenspielereien, die mir spontan dazu eingefallen sind.
Sie zeigen, dass in diesen Objekten möglicherweise mehr zu suchen und zu finden ist, als man es ihnen auf den ersten Blick ansehen möchte. Daher würde ich darin weder Kerzenständer, noch Würfel, noch Bauelement und noch weniger obskuren Magnetfelderzeuger sehen, sondern eher dahingehend vermuten, es könnte einerseits eine Art Talisman gewesen sein, weil die Welt damals voll von Magie und entsprechender Talismane war, und weiter es zudem als mögliches Messinstrument bzw. mit Licht als ein Projektionsinstrument für astronomisch-astrologische Zwecke deuten.

Zum Weiterrätseln sei hier herzlichst eingeladen und vielleicht findet ja jemand die Lösung für dieses Rätsel.

Viel Spass beim Weiterknobeln!

Details zum Objekt:
Dodekaeder
Bronze, 100-300 n. Chr.,
H: 7,5 cm,
GB, Birmingham,
Birmingham Museum and Art Gallery, Inv.-Nr. 1967A1306.
Erworben von R T Clough.
Link zum Museumsstück…

Dieser Beitrag findet sich dauerhaft unter folgender Adresse: http://www.lupa-romana.de/Lupa-Blog/LPA-Beitraege/2017_11_12-Der_Dodekaeder_ein_Raetsel_aus_der_Roemerzeit.html

 

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Hademunda-Projekt

Hademunda von Ebersberg

Der Versuch einer historischen Rekonstruktion nach 1000 Jahren

München, 21.10.2017 von Andrea Schütze

Heute ein Beitrag in eigener Sache:

Hademunda-Projekt von Andrea Schütze

Hademunda von Ebersberg – Ein Projekt von Andrea Schütze aus München

Kennen Sie das? Man begegnet einer Angelegenheit und im Zeitpunkt der Begegnung bemerkt man noch gar nicht die Folgenhaftigkeit, aber irgendwie kommt man davon nicht mehr los.

So in etwa ergeht es mir mit Hademunda von Ebersberg.
Begegnet bin ich Hademunda im Rahmen meiner Heiligenbeschreibungen, die ich hier auf diesem Blog veröffentlicht hatte und im Zuge derer ich immer mehr zu lokalen Heiligen vorgedrungen war. Ich war damals selbst in einer Zeit tiefer Trauer und Lebenszäsur, weil mein Vater, zu dem ich eine sehr gute Beziehung habe, nach langer und schwerer Krankheit verstorben war, und mich faszinierte diese winzige Geschichte, die ich bei Otto Wimmer in seinem Heiligenlexikon auf zwei oder drei Zeilen zusammengefasst zu lesen bekam:

Eine Frau heiratet, bekommt Kinder, der Mann stirbt, sie macht einen totalen Schnitt, gibt alles weg, lässt alles zurück, lässt ihr ganzes Leben zurück und „macht ihr Ding“ und geht nach Palästina –  und dies als Frau allein zur Zeit der Kreuzzüge. Das wäre so als würde man heute als Frau allein nach Syrien ins Krisengebiet reisen. Das ist nicht unmöglich, aber immer ein Akt von „Hut ab“! Dazu braucht es Courage, um dahin zu gehen, wovor andere fliehen.

Diese Zäsur und die sich daraus ergebende Konsequenz, nicht einfach so weiter zu machen, sondern einen Schnitt zu ziehen und was ganze Neues anzufangen, das hatte mich fasziniert und ich finde das auch bis heute bemerkenswert.

Aber es blieb nicht dabei, denn als ich dann irgendwann anfing doch einmal etwas mehr nach dieser Frau Ausschau zu halten, genauer gesagt war das in einer Arbeitspause in der Bibliothek der Deutschen Rechtsgeschichte an einem Wochenende im Frühsommer 2015, da fand ich beim Herumstöbern in alten Büchern immer mehr über sie heraus, was eigentlich ganz interessant war, dass sie und ihre Familie in einer hochspannenden Zeit lebten und dann habe ich jetzt in diesem Frühjahr die wohl folgenreichste Entscheidung gefasst…

Ich war vom Lernen total gestresst, weil der Stoff gigantisch war und ist, ich dafür aber minimalste Lernzeit hatte und nur einen Versuch frei und da gab ich das Versprechen, dass ich – für den Fall, dass es mir bei der Prüfung zur Rechtshistorikerin gut ergehen würde – mich danach an die Arbeit machen würde und ihre Geschichte aufrollen werde.

Es kommt im Leben oft so, dass man im Leben nicht immer alles sofort umsetzen kann, aber ich bin jemand, der sein gegebenes Wort hält und schätze das auch an anderen Menschen sehr und habe daher angefangen mich damit zu beschäftigen – auch wenn es nicht sofort war und wenn es nicht in dieser Konzentriertheit geschehen kann, die ich gerne entfalten würde, weil ich ja noch für ein Examen zu lernen habe.

Zuerst habe ich die Homepage, die durch Hacking-Attacken verwüstet war, wiederhergestellt und sie bis jetzt einigermaßen wieder ins Laufen gebracht und dabei auch die Projektseite zum Hademunda-Projekt aufgebaut. Nebenbei arbeite ich an den Wochenenden an dieser Sache.

Zuerst war ich doch sehr im Zweifel und dachte mir auch, ich würde damit meine Ernsthaftigkeit als Historikerin total vernichten, weil ich hier auf quasi kaum existente Quellenlagen eine Arbeit aufzubauen gedenke, aber dafür bin ich Althistorikerin und Archäologin, dass ich gelernt habe auch mit so winzigen Fragmenten noch etwas anfangen zu können.

Denn ich denke mir so: Es ist Nichts einfach nur abzuschreiben, weshalb ich hier auch nie Texte einfach nur reinkopiere oder abpinsele. Es ist auch keine Kunst Geschichte nur wiederzuerzählen, also eine reine Nacherzählung der Geschichte zu veranstalten. Die Kunst und Fähigkeit des Historikers liegt vielmehr darin auch mit winzigen Fragmenten noch arbeiten zu können und daraus das Möglichste zu rekonstruieren- und genau das ist der Ansatz, eine Art historische Archäologie zu betreiben und daher heißt der Untertitel zu diesem Forschungsprojekt: Der Versuch einer historischen Rekonstruktion nach 1000 Jahren.

Es geht gar nicht darum Hademunda in allen Facetten wiederzugeben, weil das ist dem Romancier überlassen und es ist keine Nacherzählung, die an dem Wenigen schon scheitert, weshalb es so recht wenig über sie gibt, sondern es ist die historische und wissenschaftlich mögliche Rekonstruktion dieser spannenden Frau, die immerhin so spannend war, dass sie über Jahrhunderte – trotz fehlenden Kultes und trotz fehlender Heiligenvita – immer noch in Heiligen-Darstellungen präsent war und die ihr Umfeld so beeinflusst haben soll, dass ihr Bruder alles aufzugeben gedachte, was ziemlich viel an Macht und Reichtum gewesen war, um ihr nach Palästina nachzufolgen.

Und irgendwie wirkt diese Frau sogar noch nach 1000 Jahren und da mich dieses Thema so verfolgt, denke ich, es muss irgendwie sein und muss unternommen werden – vielleicht ist es auch eine Art Bestimmung, oder von ihr so gewollt oder wie auch immer. Es steckt jedenfalls eine starke Kraft dahinter, die mich schiebt, das zu tun.

Am Ende dieses Projekts soll ein kleines Büchlein stehen, bis dahin werden hier und auf der Homepage immer wieder kleine Hinweise auf Materialien oder Ideen usw. erfolgen. Da hier auch Leute lesen, die sich für die durchaus spannende Welt der Heiligen interessieren, sehe ich mich darin auch bestärkt, das so zu tun, weil ich hier auf interessierte Leser hoffe.

Über Ihr Interesse würde ich mich sehr freuen.

Hier der Link zum Projekt:

http://lupa-romana.de/Projekte/Projekte-Hademunda_von_Ebersberg.html

Lupa Romana in Gold Teil 2

Lupa Romana in Gold (Teil 2)

München,06.10.2017 von Andrea Schütze

Da dieser Beitrag etwas länger ist, war und ist es erforderlich diesen aufzuteilen. Lesen Sie also hier über den zweiten Teil zum Aureus des Kaisers Hadrian und die Bedeutung der Lupa Romana auf dem Revers….

 

Die Lupa Romana auf der Rückseite – ein Bezug auf Rom und seinen Senat

Aureus Revers Lupa Romana

Aureus Revers – Lupa Romana Quelle: Gorny & Mosch, Auktion Nr. 249 (11.10.2017), Los 641.

Wenden wir uns nun der Rückseite, dem Revers, der Münze zu:

Diese Aussage dieser Münze war nicht an das einfache Volk gerichtet. Das lässt sich einfach mit dem Material Gold begründen. Die kleinen Leute haben einen Aureus womöglich ihr Leben lang nicht zu Gesicht bekommen. Diese Aussage war daher dezidiert an die Oberschicht gerichtet – und wer damit konkret gemeint gewesen sein dürfte, verrät das Bild auf dem Revers: Die römische Wölfin – die Lupa Romana, die als Symbol für Rom, Stadtrom, steht. Und in Rom spielte – trotz faktisch anderer politischer Verhältnisse – immer noch die mächtige Gruppe der Oberschicht, der Senatoren, eine maßgebliche Rolle, die in Rom weit mächtiger waren, als außerhalb.

Auf der Rückseite der Münze, dem Revers, sehen wir die Wölfin von Rom – Lupa Romana, die die Gründer Roms – Romulus und Remus – säugt. Die Darstellung auf dieser Münze zeichnet sich durch ihre gut erhaltene Feinheit in der Prägung aus, denn man sieht nicht nur Feinheiten wie einzelne Gesichtszüge der Wölfin und auch die gut genährten und puttihaft erscheinenden Zwillinge, sondern auch das, was vielfach auf den Darstellungen fehlt, oder verloren ist und doch kennzeichnend für das Logo der Lupa Romana steht, nämlich ihr an Kopf und Oberkörper struppiges Fell.

Wie ich schon auf der Willkommensseite von Lupa-Romana dargestellt habe, ist das Symbol der Römischen Wölfin durchaus vielseitig interpretierbar. Bemerkenswert ist zunächst, dass sich eine so aggressive und militärisch aggressive Volksgruppe wie die der Römer nicht nur einen Wolf als Totem und Logo ausgesucht hat, was nachvollziehbar wäre , bemerkenswert ist vielmehr die Wahl eines weiblichen Wolfes und diesen gerade in Darstellung seiner Mutterschaft. Diesem Logo sind die Römer bis heute treu geblieben.
Der weibliche Faktor im Wolf macht die Lupa Romana so interessant und steht als typisch für die römische Politik:
Einerseits handelt es sich bei der Wölfin, der Lupa Romana, um eines der gefährlichsten, zähesten und brutalsten Raubtiere überhaupt, das auch vor Tieren nicht zurückschreckt, die weit größer als sie selbst sind, wie beispielsweise Elche oder Bären. Sie legt sich mit diesen an und erlegt diese auch.
Zudem ist sie ein Tier, das seine Kraft und seinen Mut nicht planlos einsetzt, sondern durchdachte, taktische und im Verbund abgesprochene Angriffe führt. Diese Erkenntnis ist nicht allein Ergebnis der heutigen zoologischen Forschung. Bereits in früheren Zeiten haben Menschen Tiere erstaunlich gut beobachtet. Belegt wird dies anhand zahlreicher Tierabbildungen – auch in diesem Fall.
Die Lupa Romana wird nie wie eine Hündin dargestellt, die auch im Liegen ihre Tiere säugt, sondern sie steht immer, wie ein wildes Tier, das immer auf der Hut sein muss, das immer alles im Blick haben muss und schnell reagieren können muss, was ein liegendes Tier nicht kann und was es sich nur leisten kann, wenn es sich sicher fühlen darf, weil es entweder in einer Höhle Schutz findet, oder in menschlicher Hut lebt.
Eine Wölfin säugt im Stehen und das ist auch typisch für Lupa Romana.
Daher darf man darüber hinausgehende taktische Beobachtungen aus der Tierwelt durchaus als von den Tieren abgeschaut betrachten. Die Geschichte des Krieges und der Jagd zeigen, dass der Mensch sich Kampf- und Jagdweisen und –taktiken auch von Tieren und deren Beobachtung abgeleitet hat. Und es ist typisch für jagende Wölfe, dass sie den Mut haben sich auch mit größeren Gegnern anzulegen und dass sie im Verbund mit Plan und Taktik vorgehen.
Blicken wir auf die Geschichte der Römer, sehen wir auch hier eine Volksgruppe, die sich mit zunächst deutlich mächtigeren Gegnern angelegt hatte und dabei verbissen und klug gehandelt hat. Als Römer konnte man sich daher durchaus von einem Wolf als Totem angesprochen fühlen, weil man hier Paralleln ziehen kann.

Die Wölfin ist aber nicht nur ein gefährliches Raubtier. Lupa Romana hat eine weitere Eigenschaft, die sie vor allen anderen Tieren immer wieder ausgezeichnet hat: Die Wölfin ist als Mutter in der Lage auch Fremdes einzugliedern und zu einem Teil ihres Verbandes zu machen.
Die Geschichte der Wolfskinder Romulus und Remus ist nicht reines Märchen, sondern ein Phänomen, das es im Zusammenhang mit dem Wolf in der Geschichte nachweislich immer wieder gegeben hat, nämlich dass Kinder von Wölfinnen als ihre Kinder angenommen worden waren. Adoptionen und Kümmertanten sind in der Tierbeobachtung nicht selten, aber dann sind es meistens entweder kinderlose, weibliche Tiere oder man hält eine Art Kindergarten mit eigenen und fremden Kindern, während die übrigen Mütter sich an der Jagd und Futterbeschaffung des Rudels beteiligen. Diese Kinder werden aber nie als die eigenen akzeptiert. Aber dass man fremde Kinder als eigene und neben eigenen adoptiert, das ist eher selten und nicht untypisch bei Wölfinnen. Belegt und bekannt ist hierzu ein Fall aus Indien Anfang des 20. Jahrhunderts, der Vorbild für Rudyard Kiplings Dschugelbuch wurde.
Und auch dieses Phänomen aus der Tierwelt findet seine Parallel in der römischen Mentalität und wurde damit zugleich auch Garant für eine lange und stabile Herrschaft.
Die Römer waren im Krieg und im Besiegen äußerst brutal – wie ein wildes Raubtier -, aber im Frieden sehr kultur-tolerant, wenn es darum ging auch eigene Religion zu pflegen oder fremde Völkerschaften zu akkulturieren und für sich nutzbar zu machen, ob im Frieden oder in der Kriegsführung.

Akkulturation war ein Garant für die Stabilität von römischer Herrschaft. Roms Herrschaft war da dauerhaft, wo Akkulturation möglich war – umgekehrt aber in Gefahr, wo sich dieser Stabilitätsgarant nicht durchsetzen ließ. Hadrian hat sich darum bemüht, die Herrschaft Roms zu stabilisieren und hat sich gerade von jenen Gebieten getrennt, wo eine Akkulturation auf Probleme stieß oder scheiterte, etwa in Dakien, Parthien oder dem nördlichsten Britannien. Der Römische Senat hatte Hadrian wegen dieser Politik kritisiert. Man kann in der Darstellung der Lupa Romana auch darin eine Anspielung sehen.

Münzen waren und sind nicht nur Zahlungsmittel, sondern tragen auch vielschichtige Aussagen in sich und erlauben und regen daher durchaus zu erlaubten und gewünschten Gedankenspielen an.

Details zur Auktion bei Gorny & Mosch:
Auktion 249 Münzen der Antike
Mittwoch, 11.10.2017, 10.00 Uhr
Los 641 Aureus Hadrian – Lupa Romana
Ausrufungspreis: 16.000,- EUR
Schätzpreis: 20.000,- EUR
Link zur Auktion…

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Lupa Romana in Gold Teil 1

Lupa Romana in Gold

München,06.10.2017 von Andrea Schütze

Bei Gorny & Mosch kommt ein Aureus mit einer Darstellung der Lupa Romana zum Aufruf, der es in seiner Symbolkraft durchaus in sich hat, wie der folgende Beitrag bezeigt….

Aureus Hadrian Lupa Romana

Quelle: Gorny & Mosch, Auktion Nr. 249 (11.10.2017), Los 641.

Es passt zum Wiederauftakt der Lupa Romana: Am 11. Oktober findet bei Gorny & Mosch in München eine Auktion, Auktion Nr. 249 statt, in der antike Münzen versteigert werden.
Zum Aufruf kommt dabei ein Aureus, eine Goldmünze, aus der Zeit Kaiser Hadrians, datiert 125 – 128 n. Chr (Auktion Nr. 249 / Los 641), Ausrufungsgebot 16.000,- EUR, Schätzpreis 20.000,- EUR.

Wer ist J.G.J. ?

Die Münze wiegt 7,49 g und stammt aus der Sammlung von J.G.J.
Wer sich hinter diesem Kürzel verbirgt, beschreibt eine Info auf der Seite des Auktionshauses Gerhard Hirsch Nachfolger, die ich hier zitiere:
„Der Sammler J.G.J. (1912-1997) lebte in München und war von Beruf Kaufmann. Er hatte das von seinen Eltern gegründete Geschäft auf deren Wunsch hin übernommen und erfolgreich weitergeführt. Eigentlich galt seine Liebe der Kunst und er hätte lieber Kunstgeschichte studiert. So aber lebte er seine Leidenschaft dadurch aus, daß er Zeit seines Lebens Kunstschätze verschiedenster Art sammelte und zum Teil auch selbst restaurierte.
Seine Begeisterung für die Numismatik entstand durch sein ausgeprägtes Interesse an Geschichte und ihren Zusammenhängen sowie aus kaufmännischen Erwägungen für gute und sichere Geldanlagen. Der Aufbau seiner Münzsammlung wurde zu einem großen Teil durch den Numismatiker Gerhard Hirsch bzw. anschließend durch die Firma Gerhard Hirsch Nachfolger betreut. Einige dieser Münzen stammen aus alten, namhaften Vorkriegs-Sammlungen oder sind in Standardwerken zitiert.“

Quelle: Gerhard Hirsch Nachfolger
http://www.coinhirsch.de/index.php?p=auction&sub=313&lang=en#preamble

Die Besonderheit dieses Exemplars

Die Münze war 1979 schon einmal versteigert worden.
Das Motiv ist nicht so selten, das heißt dieser Münztyp ist schon mehrfach in Auktionen versteigert worden, meist mit starkem Abrieb und einmal die Wölfin in die eine, wie in die andere Richtung blickend und die Umschrift COS entweder geschlossen oder mit weiter Trennung C O S usw.

Das Besondere an diesem Exemplar und auch der Faktor, der ihren Wert ausmacht, ist ihr exzellenter Erhaltungszustand, weil diese Exemplar nur einen sehr geringen Abrieb aufweist und noch über ein gut erhaltenes Hochrelief verfügt. Die Münze kann daher in ihrem Münzdasein nie viel um Umlauf gewesen sein.

Die Darstellung des Kaisers Hadrian und seine Deutung als Friedensfürst

Aureus Avers Hadrian

Aureus Avers – Kaiser Hadrian Quelle: Gorny & Mosch, Auktion Nr. 249 (11.10.2017), Los 641.Aureus Avers Hadrian

Dargestellt ist auf dem Avers, der Vorderseite der Münze, Kaiser Hadrian in einer Porträt- bzw. Büstendarstellung im Seitenprofil. Hadrian blickt nach rechts.

Hadrian war der erste Kaiser, der sich im Stil griechischer Philosophen mit Vollbart präsentierte. Das entsprach seiner persönlichen Haltung als Philhellene, als Griechenfreund.

Auf seiner linken Schulter finden wir die Andeutung von Bändern, also einem zusammengebundenem Gewand. Zu denken ist hier an eine Chlamys. Die Chlamys war ein aus Griechenland kommender Reisemantel, der auch über Griechenlands Grenzen hinaus Verbreitung im Reich fand. Damit wird einerseits Hadrians Griechenbezug ausgedrückt, aber nicht allein das. Die Chlamys wurde zwar auch von Soldaten getragen, aber anders als das Paludamentum, war die Chlamys kein reiner Feldherrenmantel, sondern eher ein kurzer Reisemantel. Darin findet also weniger ein – sonst für römische Kaiser eher üblicher – militärischer Bezug, sondern ein Hinweis auf Hadrians umfassende Reisetätigkeit, die sogar zu besonderen Reiseprägungen führte.

Hadrian ist bekrönt mit einem Lorbeer. Da Hadrian keine Triumphzüge gefeiert hat, lässt sich der Lorbeerkranz – auch in Verbindung mit der angedeuteten Gewanddarstellung-  eher „kulturell“ interpretieren. Der Lorbeer kann daher nicht nur militärisch, sondern auch im Sinne griechischer Lebensweise gedeutet werden. Der Lorbeer war nicht nur Siegestrophäe, sondern auch Auszeichnung im Bereich des Sports und musischer Wettbewerbe. In Olympia wurde der Lorbeer als Auszeichnung verliehen. Während der Olympischen Spiele herrschte nicht nur nach alter Tradition, sondern auch nach antikem Völkerrecht, für die Dauer ihres Verlaufes ein völkerrechtliches Friedensgebot im Panhellenischen Raum. Der Lorbeer steht daher auch für einen Sieg im Frieden. Dazu sei noch angefügt:Der Lorbeerkranz wurde zwar auf Triumphzügen verwendet und wir sehen ihn hier auch immer in Verbindung mit dem Krieg und dem Sieg über die Feinde. Daher ziehen wir auch den Schluss, dass der Lorbeer ein Symbol für militärischen Sieg bedeutet. Aber wie so Vieles hat auch diese Interpretation zwei Seiten, denn man kann ihn unter Berücksichtigung dieses völkerrechtlichen Gebots auch als Zeichen des Friedens interpretieren. Der Triumphator trägt den Lorbeer nicht während des Krieges, sondern dann, wenn der Krieg vorbei ist und er sich auf dem Triumphzug befindet, also zu einem Zeitpunkt wo das Tragen „scharfer“ Waffen verboten ist, da auch die Kriegswaffen der mitziehende Soldaten von Lorbeer umrankt sind.
Hadrian war – anders als seine Vorgänger – kein Kriegskaiser. Er hat vielmehr zum Zwecke der Stabilisierung römischer Herrschaft sogar bereits eroberte Gebiete wieder preisgegeben, die sich als konstante Unruheherde erwiesen und hat sich auch selbst als Friedensbringer gefeiert. Man kann den Lorbeer daher auch olympisch als Symbol für ein Zeitalter des stabilen und rechtlich und von den Göttern geschützten Friedens interpretieren.

Der Lorbeer hat aber auch musischen Bezug und ist Symbol für einen weiteren Gott, der im griechischen und römischen Raum aufgrund seiner Kulturbezogenheit verehrt wurde: Apollon.
Apoll war der Gott der Musen und der Dichtkunst und Hadrian selbst hat sich auf literarischem Gebiet hervorgetan. Diese Eigenschaft war für Männer der römischen Oberschicht nicht unüblich. Auch einzelne Herrscher haben sich hier hervorgetan, oder es jedenfalls versucht: Kaiser Claudius war eher Intellektueller, als Staatsmann. Sein Nachfolger Nero hat sich hier sogar sehr intensiv um Lorbeeren bemüht. Wie erfolgreich er dabei war oder nicht, können wir heute kaum sagen, weil sein Andenken durch die Damnatio Memoriae, die bewusste Verunglimpfung und bewusste Zerstörung seines Andenkens extrem verzerrt ist. Vespasian, der Nero nachfolgte und Begründer der Flavischen Dynastie war, hatte es zwar nicht so sehr mit diesen kulturellen Dingen, aber seine beiden Söhne – Titus und Domitian – waren da doch ganz anders interessiert und haben sich beide literarisch beschäftigt.
Dass sich Hadrian literarisch hervortat, war damit nicht ungewöhnlich, er hatte hier vielmehr einige Vorgänger – auch im kaiserlichen Amt. Bemerkenswert ist nur, dass er dies auch zum medialen Programm seiner Repräsentation erhob und damit in Kontrast zu der seines Vorgängers Trajan, seines Adoptivvaters trat, der gerade eine extreme Kriegsrepräsentation aufgeführt hatte.
Als Teil dieses eigenen und neuen Programms medialer Darstellung kann daher diese Präsentation Hadrians betrachtet werden, der sich mit dem Reisemantel nicht nur als Reisender, sondern mit dem Lorbeer einerseits als Friedensbringer, andererseits aber auch als Intellektueller zeigt.
In diesem Zusammenhang kann die Umschrift gedeutet werden: Anders als sonst eher üblich verzichtet Hadrian hier auf die Aufzählung sämtlicher Herrschertitel und Ämter. Die Umschrift lautet einfach nur: HADRIANVS AVGVSTVS. Wörtlich übersetzt würde es „Hadrian, der Erhabene“ heißen. Alle römischen Kaiser führten diesen Titel, der einst dem Begründer des Kaisertums, Octavianus, dem Sieger von Actium, vom römischen Senat als Titel verliehen worden war und den in Folge alle römischen Kaiser für sich adaptierten .
„Hadrianus Augustus“ kann aber im Zusammenschau mit dem bereits dargestellten Bildprogramm auch anders interpretiert werden, nämlich dahingehend, dass hier nicht nur auf den eigenen Titel, sondern den Begründer aller römischer Kaiserdynastie, den Kaiser Augustus hingewiesen wurde. Viele der Nachfolger des Augustus haben versucht mit ihm anzuknüpfen und vor allem jene, die nicht wie die Juli-Claudier auf eine lange und erhabene Dynastie zurückblicken konnten. Auch Hadrian fehlte als Adoptivsohn Trajans, der selbst „nur“ Adoptivkaiser gewesen war, dieser dynastische Unterbau. Wenn Hadrian sich als Friedensbringer und Förderer der Musen feiern lässt, dann steht er hier genau in einer Linie und in einer Parallele zum medialen Programm, das Augustus nach Actium, der Entscheidungsschlacht gegen Kleopatra und Marcus Antonius, zu führen begann und der die Pax Augusta, den Augusteiischen Frieden, begründet hat, der dem Reich stabilen Frieden und sicheren Wohlstand bescherte – genau das, was auch Hadrian durch Gebietsaufgaben zu erreichen suchte und wofür er gerade deshalb auch mit senatorischen Kreisen Konflikte erlebte.

Lesen Sie weiter über die Bedeutung des Revers der Lupa Romana in Teil 2…

 

Lupa Romana ist wieder Online!

Lupa Romana steht wieder im Netz

München, 02.10.2017, von Andrea Schütze

Logo Lupa Romana

Das Logo von Lupa Romana ist erhalten geblieben.

Lange hat die Römische Wölfin geschwiegen…

Verwüstung hatte sie zum Schweigen gebracht und dann kam das Leben in die Quere, so dass es Zeit brauchte, um sich neu aufzustellen.

Gestern ging die Homepage neu gestaltet und überarbeitet wieder ans Netz und heute auch der Blog, auch wenn es hier noch ein paar kleinere Probleme gibt.

Das ist nun geschehen. Lupa Romana ist zurück, auf neuem Webspace, in neuer Gestalt und mit einigen Änderungen.
So wird es den Blog – sicherheitshalber – nicht mehr nur dynamisch im WordPress-Format, sondern auch statisch im Html-Format geben.

Seien Sie also eingeladen zu Neuem aus der Alten Geschichte.

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