Lupa Romana in Gold Teil 2

Lupa Romana in Gold (Teil 2)

München,06.10.2017 von Andrea Schütze

Da dieser Beitrag etwas länger ist, war und ist es erforderlich diesen aufzuteilen. Lesen Sie also hier über den zweiten Teil zum Aureus des Kaisers Hadrian und die Bedeutung der Lupa Romana auf dem Revers….

 

Die Lupa Romana auf der Rückseite – ein Bezug auf Rom und seinen Senat

Aureus Revers Lupa Romana

Aureus Revers – Lupa Romana Quelle: Gorny & Mosch, Auktion Nr. 249 (11.10.2017), Los 641.

Wenden wir uns nun der Rückseite, dem Revers, der Münze zu:

Diese Aussage dieser Münze war nicht an das einfache Volk gerichtet. Das lässt sich einfach mit dem Material Gold begründen. Die kleinen Leute haben einen Aureus womöglich ihr Leben lang nicht zu Gesicht bekommen. Diese Aussage war daher dezidiert an die Oberschicht gerichtet – und wer damit konkret gemeint gewesen sein dürfte, verrät das Bild auf dem Revers: Die römische Wölfin – die Lupa Romana, die als Symbol für Rom, Stadtrom, steht. Und in Rom spielte – trotz faktisch anderer politischer Verhältnisse – immer noch die mächtige Gruppe der Oberschicht, der Senatoren, eine maßgebliche Rolle, die in Rom weit mächtiger waren, als außerhalb.

Auf der Rückseite der Münze, dem Revers, sehen wir die Wölfin von Rom – Lupa Romana, die die Gründer Roms – Romulus und Remus – säugt. Die Darstellung auf dieser Münze zeichnet sich durch ihre gut erhaltene Feinheit in der Prägung aus, denn man sieht nicht nur Feinheiten wie einzelne Gesichtszüge der Wölfin und auch die gut genährten und puttihaft erscheinenden Zwillinge, sondern auch das, was vielfach auf den Darstellungen fehlt, oder verloren ist und doch kennzeichnend für das Logo der Lupa Romana steht, nämlich ihr an Kopf und Oberkörper struppiges Fell.

Wie ich schon auf der Willkommensseite von Lupa-Romana dargestellt habe, ist das Symbol der Römischen Wölfin durchaus vielseitig interpretierbar. Bemerkenswert ist zunächst, dass sich eine so aggressive und militärisch aggressive Volksgruppe wie die der Römer nicht nur einen Wolf als Totem und Logo ausgesucht hat, was nachvollziehbar wäre , bemerkenswert ist vielmehr die Wahl eines weiblichen Wolfes und diesen gerade in Darstellung seiner Mutterschaft. Diesem Logo sind die Römer bis heute treu geblieben.
Der weibliche Faktor im Wolf macht die Lupa Romana so interessant und steht als typisch für die römische Politik:
Einerseits handelt es sich bei der Wölfin, der Lupa Romana, um eines der gefährlichsten, zähesten und brutalsten Raubtiere überhaupt, das auch vor Tieren nicht zurückschreckt, die weit größer als sie selbst sind, wie beispielsweise Elche oder Bären. Sie legt sich mit diesen an und erlegt diese auch.
Zudem ist sie ein Tier, das seine Kraft und seinen Mut nicht planlos einsetzt, sondern durchdachte, taktische und im Verbund abgesprochene Angriffe führt. Diese Erkenntnis ist nicht allein Ergebnis der heutigen zoologischen Forschung. Bereits in früheren Zeiten haben Menschen Tiere erstaunlich gut beobachtet. Belegt wird dies anhand zahlreicher Tierabbildungen – auch in diesem Fall.
Die Lupa Romana wird nie wie eine Hündin dargestellt, die auch im Liegen ihre Tiere säugt, sondern sie steht immer, wie ein wildes Tier, das immer auf der Hut sein muss, das immer alles im Blick haben muss und schnell reagieren können muss, was ein liegendes Tier nicht kann und was es sich nur leisten kann, wenn es sich sicher fühlen darf, weil es entweder in einer Höhle Schutz findet, oder in menschlicher Hut lebt.
Eine Wölfin säugt im Stehen und das ist auch typisch für Lupa Romana.
Daher darf man darüber hinausgehende taktische Beobachtungen aus der Tierwelt durchaus als von den Tieren abgeschaut betrachten. Die Geschichte des Krieges und der Jagd zeigen, dass der Mensch sich Kampf- und Jagdweisen und –taktiken auch von Tieren und deren Beobachtung abgeleitet hat. Und es ist typisch für jagende Wölfe, dass sie den Mut haben sich auch mit größeren Gegnern anzulegen und dass sie im Verbund mit Plan und Taktik vorgehen.
Blicken wir auf die Geschichte der Römer, sehen wir auch hier eine Volksgruppe, die sich mit zunächst deutlich mächtigeren Gegnern angelegt hatte und dabei verbissen und klug gehandelt hat. Als Römer konnte man sich daher durchaus von einem Wolf als Totem angesprochen fühlen, weil man hier Paralleln ziehen kann.

Die Wölfin ist aber nicht nur ein gefährliches Raubtier. Lupa Romana hat eine weitere Eigenschaft, die sie vor allen anderen Tieren immer wieder ausgezeichnet hat: Die Wölfin ist als Mutter in der Lage auch Fremdes einzugliedern und zu einem Teil ihres Verbandes zu machen.
Die Geschichte der Wolfskinder Romulus und Remus ist nicht reines Märchen, sondern ein Phänomen, das es im Zusammenhang mit dem Wolf in der Geschichte nachweislich immer wieder gegeben hat, nämlich dass Kinder von Wölfinnen als ihre Kinder angenommen worden waren. Adoptionen und Kümmertanten sind in der Tierbeobachtung nicht selten, aber dann sind es meistens entweder kinderlose, weibliche Tiere oder man hält eine Art Kindergarten mit eigenen und fremden Kindern, während die übrigen Mütter sich an der Jagd und Futterbeschaffung des Rudels beteiligen. Diese Kinder werden aber nie als die eigenen akzeptiert. Aber dass man fremde Kinder als eigene und neben eigenen adoptiert, das ist eher selten und nicht untypisch bei Wölfinnen. Belegt und bekannt ist hierzu ein Fall aus Indien Anfang des 20. Jahrhunderts, der Vorbild für Rudyard Kiplings Dschugelbuch wurde.
Und auch dieses Phänomen aus der Tierwelt findet seine Parallel in der römischen Mentalität und wurde damit zugleich auch Garant für eine lange und stabile Herrschaft.
Die Römer waren im Krieg und im Besiegen äußerst brutal – wie ein wildes Raubtier -, aber im Frieden sehr kultur-tolerant, wenn es darum ging auch eigene Religion zu pflegen oder fremde Völkerschaften zu akkulturieren und für sich nutzbar zu machen, ob im Frieden oder in der Kriegsführung.

Akkulturation war ein Garant für die Stabilität von römischer Herrschaft. Roms Herrschaft war da dauerhaft, wo Akkulturation möglich war – umgekehrt aber in Gefahr, wo sich dieser Stabilitätsgarant nicht durchsetzen ließ. Hadrian hat sich darum bemüht, die Herrschaft Roms zu stabilisieren und hat sich gerade von jenen Gebieten getrennt, wo eine Akkulturation auf Probleme stieß oder scheiterte, etwa in Dakien, Parthien oder dem nördlichsten Britannien. Der Römische Senat hatte Hadrian wegen dieser Politik kritisiert. Man kann in der Darstellung der Lupa Romana auch darin eine Anspielung sehen.

Münzen waren und sind nicht nur Zahlungsmittel, sondern tragen auch vielschichtige Aussagen in sich und erlauben und regen daher durchaus zu erlaubten und gewünschten Gedankenspielen an.

Details zur Auktion bei Gorny & Mosch:
Auktion 249 Münzen der Antike
Mittwoch, 11.10.2017, 10.00 Uhr
Los 641 Aureus Hadrian – Lupa Romana
Ausrufungspreis: 16.000,- EUR
Schätzpreis: 20.000,- EUR
Link zur Auktion…

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